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Was haben die Proteste bewirkt?
UNISCENE News: Bachelor/Master - Fazit

Die Studenten haben mit bundesweiten Protesten ihre Unzufriedenheit über das Bildungssystem gezeigt. Hauptkritikpunkt waren die Bachelor- und Masterstudiengänge. Doch haben die Proteste tatsächlich etwas bewirkt?

Studentenproteste in der Hamburger U-Bahn
Das Jahr 2009 stand im Zeichen des Bildungsstreiks. In ganz Deutschland zogen die Studenten auf die Straßen, besetzten die Hörsäle und machten ihrem Ärger Luft. Grund für den Ärger ist, allen voran, der Bologna-Prozess. Das politische Vorhaben, ein einheitliches europäisches Hochschulwesen zu schaffen, hat nach Meinung vieler Studenten deren Zukunftsperspektiven verschlechtert. Vor allem die praktische Umsetzung der Bachelor- und Masterstudiengänge steht in der Kritik.


“Es stehen immer noch nicht genügend Masterstudienplätze zur Verfügung”, sagt Jenny Morin, Sprecherin des Bildungsstreiks. Laut Universität Hamburg liegt das Verhältnis zwischen den erwarteten Bachelorabsolventen und den Masterstudienplätzen in den meisten Studienfächern (wie Rechtswissenschaft, Sozialwissenschaft und Psychologie) nur bei 60 Prozent. So findet unter den Studenten ein Konkurrenzkampf um die Studienplätze statt, wobei derzeit nur die Besten ihren Master machen dürfen. Johanna Völker, Studentin aus Hamburg, hat bereits schlechte Erfahrungen gemacht. “Im ersten Bachelor-Studiengang auf Lehramt wurde uns versprochen, dass jeder Student einen Masterstudienplatz bekommen würde.”

Zur Erklärung: Ein Masterabschluss ist die Voraussetzung, um später als Lehrer an einer Schule unterrichten zu dürfen. Nach zwei Jahren folgte jedoch die böse Überraschung. “Plötzlich sollten nur noch 30 Prozent einen Masterstudienplatz bekommen. Alle anderen schauten sprichwörtlich in die Röhre und konnten später praktisch nur als Hilfslehrer arbeiten.” Doch nicht jeder sieht die Situation der Bachelor-Studenten so kritisch. Laut einer Studie des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung liegt die Arbeitslosigkeit von Bachelor-Absolventen nach 18 Monaten nur bei drei Prozent. Damit ist die Quote ebenso gering wie bei den übrigen Abschlussgruppen.

„Laut einer Umfrage sind in Hamburg 94,5 Prozent aller Studenten mit dem Bachelor- und Mastersystem zufrieden“, sagt Timo Friedrichs, Sprecher der Hamburger Behörde für Wissenschaft und Forschung. „In unserer Stadt wurde das Bachelor- und Mastersystem stringent und zügig umgesetzt.“ Handlungsbedarf sieht Timo Friedrichs lediglich bei Studiengängen wie Lehramt und Ingenieurwissenschaft. „In diesen Bereichen brauchen die Studenten einfach den Masterabschluss. Da ist es unser Ziel, dass für jeden Studenten tatsächlich ein Masterstudienplatz bereit gestellt wird.“ In anderen Bereichen sei der Bachelor bereits ein berufsqualifizierender Abschluss. Der Mangel an Masterstudienplätzen ist aber ohnehin nicht der einzige Kritikpunkt. Vielen Studenten ist die neu eingeführte strengere Anwesenheitspflicht ein Dorn im Auge.

Behördensprecher Friedrichs: "94,5 Prozent sind mit der Reform zufrieden"
Die hohe Prüfungslast wird ebenso bemängelt. Johanna Völker berichtet von zeitweise 16 Prüfungen in drei Wochen. “Das mag ein Extremfall sein, aber der Prüfungswahnsinn hat Überhand genommen”, sagt sie. Ihre Aussage deckt sich mit einer aktuellen Umfrage des Hochschul-Informationssystems (HIS), wonach 25 Prozent aller Bachelor-Studienabbrecher an dem Leistungsdruck gescheitert seien. Immerhin hat die Hamburger Behörde für Wissenschaft und Forschung diese Probleme erkannt. „Die Anzahl der Prüfungen ist tatsächlich zu hoch. Wir haben den Hochschulen bereits ein Maßnahmenkatalog mit diversen Verbesserungsvorschlägen übergeben“, sagt Timo Friedrichs. Darin sollen weniger Prüfungen, eine Abschwächung der Anwesenheitspflicht und eine Überprüfung der Regelstudienzeit gefordert werden.

 

„Die Hochschulen sollen prüfen, ob es sinnvoll wäre, einige Bachelor-Studiengänge von sechs auf acht Semester zu erweitern“, so Friedrich. Zudem sollten die Hochschulen den Studierenden Auslandssemester erleichtern.“ Bei der Abschwächung der Anwesenheitspflicht sollen laut Friedrichs neue Lernmethoden wie eLearning eine wichtige Rolle spielen. Die Frage ist nur, wie die Hochschulen auf die Vorschläge reagieren werden. Birgit Kruse, Sprecherin der Uni Hamburg, hat bereits für Anfang Februar einen Studienreformtag angekündigt und lädt alle Studenten am 5. Februar zu einem Meinungsaustausch ein.

Vielleicht ein erster Schritt in die richtige Richtung? Die Reaktionen auf die Proteste zeigen jedenfalls, dass die Bemühungen der Studis keineswegs umsonst waren. Politiker und Hochschulen haben auf die Proteste reagiert. Ob sich aber in Hamburg wirklich etwas ändert, wie zum Beispiel bei der FU Berlin, wo die Anwesenheitspflicht vorerst ausgesetzt wurde, wird sich noch zeigen müssen.

Text: Oliver Jensen

Wie erlebt ihr den Streit um die Studienreform? Schreibt uns eure Texte, die wir auszugsweise in der nächsten UNISCENE-Augabe veröffentlichen werden an info@uniscene.de.

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