
Teil 3: Die Mädels-WGIm letzten Jahr wurden Pärchen-Nest und Siebener-WG von UNISCENE auf Herz und Nieren geprüft. Hamburg hat an Wohnkonstellationen aber noch einiges mehr zu bieten. Dieses Mal lädt Autorin Mareike in ihre eigene WG ein. Auf siebzig Quadratmetern teilen sich drei Mädels Kleiderschrank und Aldi-Sekt. Hier werden Spinnen gemeinschaftlich weggesaugt und Klischees begraben.

Zugegeben, Hamm-Mitte muss man sich manchmal schön reden. Gründe, hier zu wohnen, gibt es aber einige. Wir können jede Menge Miete sparen und zahlen für unsere 13, 16 und 17 Quadratmeter großen Zimmer jeweils nur circa 230 Euro. Darin inbegriffen sind alle Kosten – von Heizung bis Internet. Für Hamburger Verhältnisse wirklich günstig. Oben drauf gibt es einen schönen Balkon, eine komplette Einbauküche und ein modernisiertes Bad. Den Charme einer Altbauwohnung hat unsere Wohnung vielleicht nicht zu bieten, dafür macht sie selbst bei eisiger Kälte keine Zicken.
Zur Uni sind es nur zwanzig Minuten, und mit dem Fahrrad erreicht man Hauptbahnhof und Alster in Windeseile. Ein kurzer Fußweg trennt uns vom Hammer Park, in dem man im Sommer ganz entspannt lesen und sonnen kann. Die Lage der Wohnung ist also keine schlechte. „Wir haben echt ein schönes Zuhause, und die Mietersparnis macht alle Ostdefizite wett“, finde ich und ernte großes Nicken bei meinen Mitbewohnerinnen.
Seit fast zwei Jahren wohnen wir nun schon hier. Bis endlich ein gemeinsames Domizil gefunden war, dauerte es knapp sechs Monate. Als Studenten-WG kann man gegen das Banker-Pärchen eben nicht anstinken. Zum Glück entschied sich eine junge Familie ganz spontan gegen unsere jetzige Wohnung und der Vermieter rief uns an. Endlich mauserte sich unser WG-Traum zu drei Zimmern mit Balkon und Garten. Den Anfang nahm alles als Ina aus Bremen und ich aus der Lüneburger Heide im Oktober 2007 für unser Studium in die Hansestadt zogen. An der Uni lernten wir uns kennen und stellten schnell fest, dass wir mit unseren damaligen Wohnsituationen in Form notgedrungener Zweck-WGs ganz und gar nicht zufrieden waren.

Zum Glück decken sich unsere Partygewohnheiten in allen Punkten. „Oh, yeah, allerdings!“ lachen Ina und Kerstin. „Feiern können wir richtig gut!“. In dieser Wohnung wird gerne, oft und ausgiebig die Sau raus gelassen. Wenn weder Putzen noch Party auf dem Programm stehen, hocken wir trotzdem viel zusammen. Mittwochabend ist Serienzeit, es geht zum Sport, in den Park oder zum Shoppen, und Seminare werden gemeinsam abgesessen. Unsere Freundeskreise liegen eng beieinander, und somit verbringen wir sowohl innerhalb als auch außerhalb der Wohnung viel Zeit miteinander. Natürlich braucht jeder mal seine Ruhe, denn auch Frauen haben sich irgendwann nichts mehr zu erzählen.
Man macht seine Zimmertür zu, die Musik in WG-tauglicher Lautstärke an und kriegt vom Rest der Mitbewohner kaum noch etwas mit. Grund zur Beschwerde über einen Anderen gab es bei uns tatsächlich noch nicht. Vielmehr sind es die Nachbarn, die uns manchmal mit Möbel rücken, 90er-Schlager oder zweitem Frühling das Leben schwer machen. „Zum Glück sind wir zu Dritt, und niemand muss nachts im Alleingang und Pyjama bei den Nachbarn klingeln“, ergänzt Ina. Stehen Reparaturen im Haushalt an oder verhindert eine Spinne in der Badewanne ein entspanntes Duscherlebnis, heißt die Devise: Teamarbeit. Sechs Augen bringen jeden Bilderrahmen gerade an und bezwingen mitunter sogar komplizierte Computerprobleme. Kleiderfragen werden gemeinsam geklärt, und zur Not stehen immer noch zwei andere Schränke zur Verfügung, die jede Menge Auswahl hergeben.
Der große Vorteil dieser Wohnform liegt auf der Hand. Zu Dritt ist man nie auf sich allein gestellt. Natürlich kann eine hohe Mädelskonzentration auf engem Raum auch explosiv reagieren. Beim Zusammenziehen ist immer Vorsicht gefragt. Lange Haare im Bad, Schuhchaos im Flur, andauernde Männerbesuche oder verschwundene Klamotten zwingen ab und an zu ruhigem Durchatmen. Das Experiment Mädels-WG kann gewaltig schief gehen und Freundschaften auf die Probe stellen. Wir haben großes Glück: Mitbewohnerinnen, Freundinnen und Kommilitoninnen zu sein, gelingt bei uns problemlos. Wir hoffen, dass das auch in Zukunft so bleibt. „Darauf sollte eine gute Flasche Herzog Alba geköpft werden“, lacht Kerstin, denn Aldi-Sekt gehört seit Tag Eins dieser WG zum Inventar dazu. „Prost, Mädels!“
Text: Mareike Scheler
Eure WG soll in die UNISCENE? Kein Problem, bewerbt euch einfach unter info@uniscene.de mit Foto und Kurzvorstellung eurer WG und ihr erscheint vielleicht im nächsten Heft. Als Dankeschön organisiert UNISCENE eure WG-Party und versorgt euch mit Getränken & Co.
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Mareike Scheler (16.02.2010 19:14 Uhr)
... (15.02.2010 16:34 Uhr)

















