
Neue Reform verursacht reges Durcheinander an Hamburger SchulenIm Pisa-gebeutelten Hamburg gehen Eltern, Verbände und Schulen auf die Barrikaden. Grund ist die ungeliebte Schulreform, die ab Sommer 2010 das dreigliedrige Schulsystem durch Primarschule und Stadtteilschule ersetzen soll. Doch was sagen eigentlich Hamburgs Lehramtsstudenten zu dieser Kompromiss-Reform? UNISCENE hat sich auf dem Campus umgehört.

Das bedeutet: Ab August 2010 sollen das alte dreigliedrige weiterführende Schulsystem und die Grundschule in ihrer jetzigen Form abgeschafft und durch ein neues Modell, die sechsjährige Grundschule und die Stadtteilschule ersetzt werden. Allein das Gymnasium soll weiterhin bestehen bleiben. Unter den Hamburgern aber regt sich seit Monaten massiver Widerstand. Über 180.000 Unterschriften gegen die Primarschul-Pläne hat die Volksinitiative „Wir wollen lernen“ bereits gesammelt. Viel mehr als nötig.
Auch die 20-jährige Julia setzte ihren Namen auf diese Liste, obwohl sie einige Ansätze der Reform begrüßt. „Die Idee vom gemeinsamen Lernen in gemischten Klassen finde ich gut. So können die Jüngeren von den Älteren lernen“, sagt die Lehramtsstudentin der Grund- und Mittelstufe. „Ich habe allerdings gegen die Reform gestimmt, da ich mit einigen Punkten nicht einverstanden bin. Zu den weiterbildenden Schulen hat sie eine geteilte Meinung. „Da gibt es dann ja wieder zwei Formen.“
Die geplanten Stadtteilschulen, die Julia kritisiert, sind praktisch nichts anderes als zusammengelegte Haupt-, Real- und Gesamtschulen, mit dem Unterschied, dass alle Schüler jetzt die Möglichkeit haben sollen, das Abitur zu machen. So sollen zukünftig auch klassischen Haupt- und Realschülern noch alle Bildungswege offen gehalten werden, wie etwa das Abitur nach 13 Jahren.

Duygu, die im dritten Semester an der Universität Hamburg studiert, ist skeptisch. Sie findet sechs Jahre Grundschule im Prinzip nicht schlecht. „Das hilft Eltern und Lehrern bestimmt, die Kinder besser einzuschätzen. So könnten oft Fehlentscheidungen vermieden werden, wenn der Schulwechsel ansteht“, meint die gebürtige Cuxhavenerin. „Nach vier Jahren in der Grundschule sind die Kinder ja noch gar nicht so weit entwickelt“, so die 21-Jährige. „Ich könnte mir aber vorstellen, dass der Abschluss vom Gymnasium mehr Wert sein wird, als der der Stadtteilschulen.“ Sie vermutet, dass das neue Gesetz, wenn es denn eins geben sollte, sie als Lehrerin nicht direkt betreffen wird, da sie auf Gymnasiallehramt studiert.
Studentin Ida kann „keinen festen Fahrplan“ bei der Reform erkennen. „Das längere gemeinsame Lernen finde ich sinnvoll. Allerdings sollte man die Kinder nicht als Versuchskaninchen verwenden.“ Auch die Volksinitiative ist nicht grundsätzlich gegen eine Reform. Allerdings kritisiert sie die schlechte Planung und ungenaue Formulierungen im Gesetzestext. Senat und Volksinitiative müssen nun eine Lösung finden. Wenn sie sich nicht einigen, wird es im Sommer zu einem Volksentscheid kommen. Der Ausgang ist für Senat und Bürgerschaft verbindlich und könnte die Reform noch in letzter Minute stoppen. Die Leidtragenden sind letztendlich die Schüler und Lehrer, da sie immer noch nicht wissen, was auf sie zukommen wird.
Text: Inga Husemann
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