
Fernweh: Die Sehnsucht nach der großen weiten WeltWährend des Studiums habt Ihr die einmalige Gelegenheit, Eurem Fernweh zu folgen. Ob Studium, Praktikum oder Sommerjob im Ausland – die Angebote sind vielfältig. Wer rechtzeitig plant und Förderprogramme nutzt, kann tolle Erfahrungen sammeln und ein dickes Plus im Lebenslauf verbuchen.

Zahlreiche Förderungsmöglichkeiten
Für Studenten in Hamburg ist Erasmus der bekannteste Weg, Unterstützung zu erhalten. Fast jeder dritte Auslandsstudent hat das Förderporgramm laut Sozialerhebung des Studierendenwerks in Anspruch genommen. Eines der Hauptziele des Erasmus-Programms ist die „Förderung der Beschäftigungsfähigkeit und Arbeitnehmermobilität auf dem europäischen Arbeitsmarkt“. Wer im Rahmen von Erasmus ins Ausland geht, hat in jedem Fall ein Ass im Ärmel, denn die im Ausland erbrachten Leistungen werden im Heimatland für das weitere Studium anerkannt. Die Anerkennung von ausländischen Leistungen solltet Ihr bei Eurer Planung auf jeden Fall beachten.
Viele schrecken vor einem Auslandsaufenthalt zurück, weil sie Angst haben, kostbare Studienzeit zu verlieren. Fast die Hälfte hält ein möglicher Zeitverlust im Studium davon ab, ins Ausland zu gehen.
Thomas Vielhauer, Koordinator des Teams für Akademische Berufe der Bundesagentur für Arbeit in Hamburg, gibt Entwarnung: „Grundsätzlich macht es nichts, wenn sich die Studienzeit durch den Auslandsaufenthalt verlängert.“ Wichtig ist allerdings, die Zeit im Ausland effektiv nutzen. „Man sollte nicht ein Jahr chillen und nur am Strand liegen. Es ist wichtig, später zeigen zu können, dass man was getan hat, in Form eines Studiums oder Praktikums. Dann ist der Auslandsaufenthalt immer ein großer Vorteil.“ Die Umstellung auf Bachelor und Master hat das Zeitproblem als mögliches Hemmnis leider noch verschärft. „Durch die Bachelor-Struktur ist das Studium tendenziell eher verschult und man hat schlichtweg weniger Freiraum ins Ausland zu gehen. Der Auslandsaufenthalt muss deshalb sehr gut organisiert werden“, erklärt Vielhauer.

Der DAAD hält insgesamt ein sehr vielfältiges Informations- und Programmangebot für Studenten, die ins Ausland wollen, bereit. Von der Beratung über finanzielle Förderung bis zur aktiven Vermittlung steht der DAAD Euch unterstützend zur Seite. Er informiert auch über Bestimmungen zum Auslands-BAföG.
Interessante Förderprogramme sind neben Erasmus zum Beispiel „Kurzstipendien für Praktika“, das RISE Programme (Research Internships in Science and Engineering) oder „A New Passage to India“, um nur drei von vielen zu nennen. Durch „Kurzstipendien für Praktika“ sollen deutsche Studierende die Möglichkeit erhalten, ein mindestens sechswöchiges Fachpraktikum im Ausland zu absolvieren. Die Stipendien gelten für selbst beschaffte Praktikumsplätze, unter anderem in internationalen Organisationen, bei deutschen Auslandsvertretungen und an „Deutschen Geisteswissenschaftlichen Instituten im Ausland“ (DGIA). Maximal drei Monate beträgt die Förderzeit. Auch ein Zuschuss zu den Reisekosten wird gezahlt. Die Höhe der monatlichen Stipendienrate setzt sich aus einem Grundbetrag und einem nach Regionen differenzierten Auslandsbetrag zusammen. Die Teilstipendienrate dieses Programms bewegt sich zwischen 250 und 550 Euro.
Das RISE Programme richtet sich an Studenten aus der Biologie, Chemie, Physik, den Geo-, Lebens- und aus den Ingenieurswissenschaften in unteren Semestern. Sie sollen einen Einblick in die praktische Forschung an Hochschulen, Forschungsinstituten und Firmen in einem internationalen Umfeld erhalten. „A New Passage to India“ gibt es erst seit 2009. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert im Rahmen dieses DAAD-Sonderprogramms Studien- und Forschungsaufenthalte deutscher Studierender, die die Studienangebote indischer Hochschulen nutzen wollen. Gerade Programme, deren Fokus außerhalb Europas liegen, werden vergleichsweise selten in Anspruch genommen. Das weltumspannende Netzwerk von AIESEC bietet Euch die Möglichkeit, mit einem Auslandspraktikum in den Bereichen Wirtschaft, Informationstechnologie und Entwicklungshilfe, in einer fremden Kultur zu leben und zu arbeiten. AIESEC umfasst weit über 850 Lokalkomitees in 100 Ländern und ist damit die größte internationale Studentenorganisation.

Besonders der Aufenthalt jenseits europäischer Grenzen bietet eine tolle Gelegenheit, seinen Horizont zu erweitern und in fremde Kulturen einzutauchen. Anna-Lena Schwabe studiert Master Soziologie an der Uni Hamburg. Bereits in der elften Klasse ging sie für ein halbes Jahr nach Kanada. „Weil es mich einfach unglaublich gereizt hat, ich kann nicht sagen warum“, erklärt sie. Nach ihrem Bachelor-Studium war sie sechs Monate ehrenamtlich in Chile. Die 25-Jährige hat das Fernweh schwer erwischt. „Ich sehne mich sehr oft danach, Deutschland zu verlassen, auch für immer oder längerfristig. Ich habe in anderen Ländern mehr Lebensqualität erfahren. Es ging mir dort irgendwie immer besser als hier“, begründet sie ihre Sehnsucht. Die Erfahrungen im Ausland waren für Anna-Lena sehr prägend, „Sie haben mich zu mir selbst geführt und mich wachsen lassen.“
Den positiven Einfluss eines Auslandsaufenthaltes auf die persönliche Entwicklung kann auch Cathrin Köchel bestätigen. Die Inhaberin der Personalberatungs-Agentur Coaching und Karriere in Hamburg beschreibt es so: „Man lernt, mit unbekannten Situationen klarzukommen, der Reifeprozess wird dadurch enorm gesteigert. Auch das Selbstbewusstsein wird gestärkt und die ungewöhnliche Situation im Ausland zu sein, fördert oft einen Entwicklungsschub.“ Auch aus der Perspektive eines Jobcoaches hält sie gerade heute Auslandserfahrungen für ausgesprochen hilfreich im Berufsleben. „In Zeiten der Globalisierung und Vernetzung unter den Ländern wird es immer wichtiger, diese Zusammenhänge selbst zu erleben, um Gelerntes später auch eigenständig umsetzen zu können. Internationale Unternehmen und Projektteams gehören heute zum Arbeitsalltag, und es kann wichtig sein, bereits erste eigene Erfahrungen mit einzubringen.“
Wibke Ridder (27) ist Sinologie-Studentin an der Uni Hamburg. Schon mehrere Male war sie für längere Zeit in China und auch schon öfter in den USA. Während dieser Reisen erfuhr auch sie, wie die Zeit weit weg von zu Hause sie veränderte. „Ich bin jetzt unabhängiger und selbstständiger“, erklärt sie. Durch ihr Sinologie-Studium waren Aufenthalte in China während des Studiums ein Muss, so dass sie ihre Semesterferien immer im Ausland verbrachte. Drei Monate studierte sie an einer Uni in Shanghai. Für ihre Magisterarbeit recherchierte sie in China, Vietnam und Hongkong. Die Zeit in Asien hat sie sehr genossen. Wibke findet es schade, dass alle studienbezogenen Auslandsaufenthalte bereits hinter ihr liegen. „Ich sehne mich oft danach, dem Alltagsstress zu entfliehen und die Freiheit und gute Laune von Urlaub und fremden Kulturen zu genießen.“

Dem Alltagsstress in die Ferne zu entfliehen, das kennt auch Helen Schmidt nur zu gut. Die 29-Jährige studiert Afrikanistik und Politische Wissenschaften an der Uni Hamburg. Sie selbst ist Halb-Äthiopierin und von klein auf daran gewöhnt, in den unterschiedlichsten Ländern zu leben. Ihr Vater arbeitete für verschiedene Nichtregierungsorganisationen, die sich sozial- und umweltpolitisch in der ganzen Welt engagieren. Dadurch änderte ihre Familie häufig den Wohnsitz. „Bis ich eingeschult wurde, sind wir echt jedes Jahr umgezogen. Ich war in drei verschiedenen ersten Klassen.“ In Indien, Kenia, Äthiopien und Uganda hat sie schon gelebt. An der Ferne reizen sie besonders die anderen Mentalitäten. „Man geht irgendwo hin und denkt ‚Oh Mann, guck mal, die Menschen sind nicht so verwöhnt wie in Deutschland und sind trotzdem glücklich.’ So kann man mal wieder auf den Boden geholt werden.“
Das Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen und Lebensgewohnheiten infrage zu stellen, das bringt das Reisen in ferne Länder oft mit sich. Andere Mentalitäten geben Denkanstöße, auf die junge Menschen zu hause wahrscheinlich nie gekommen wären.
„Im Grunde genommen haben Menschen Fernweh, weil sie einen Fassadenwechsel brauchen. Wenn ich zu lange an einem Ort bin, kriege ich Hummeln und brauch mal wieder irgendwas anderes. Dann kann ich mich auch wieder auf zu Hause freuen“, erklärt Helen ihre Leidenschaft fürs Reisen. Die Afrikanistik-Studentin spricht Deutsch, Englisch und Amharisch fließend. Durch ihre vielen Auslandsaufenthalte hat sie gelernt, wie viele Vorteile es mit sich bringt, der Landessprache mächtig zu sein. „Wenn man Sprachen beherrscht, offenbaren sich einem auch die Unterschiede zwischen den Ländern, auch Feinheiten. Ich konnte mit den Menschen oft richtig kommunizieren und dadurch wurde mir bewusst, dass die Menschen überall relativ ähnlich sind. Und zwar auch, wenn sie völlig unterschiedlich aufgewachsen sind. Ich glaube, vor allem durch meine Reisen haben ich sehr wenig Vorurteile gegenüber anderen Kulturen.“

Wenn auch Ihr ferne Länder entdecken wollt, und das möglichst günstig, solltet Ihr Helens Tipp folgen: „Um günstig zu verreisen, finde ich STA Travel sehr empfehlenswert. Die haben viele extra Studentenrabatte.“ STA Travel hat sich auf junge Kunden spezialisiert und ist weltweit aktiv. Das Angebot reicht von Erlebnis- und Pauschalreisen hin zu Work & Travel-Angeboten. Und das zu studentenfreundlichen Preisen. Ein ebenfalls lohnendes Angebot für alle, die viel von der Welt sehen wollen und kein dickes Portemonnaie haben, sind Round-the-World-Tickets. Mit so einem Ticket kann man, wie der Name schon sagt, einmal den Globus umrunden. Angeboten werden die Tickets vor allem von großen Airline-Allianzen, wie zum Beispiel Star Alliance oder oneworld Global Explorer. Es gibt sie in ganz verschiedenen Variationen und Preisklassen. Sie unterscheiden sich danach, wie viele Stopps möglich sind, wie lange die Reisedauer sein darf oder wie viele Kontinente angeflogen werden können.
Auch Saison- und Sommerjobs sind ein guter Weg, Auslandserfahrung zu sammeln. Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) betreut das internationale Beratungs- und Vermittlungsgeschäft der Bundesagentur für Arbeit. Zu zahlreichen Ländern findet Ihr hier Informationen und Hinweise zur eigenständigen Suche nach Saison- und Sommerjobs. Wer an Erfahrung in Entwicklungsländern interessiert ist, für den ist die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) der richtige Ansprechpartner. Das Nachwuchsförderprogramm bietet die Möglichkeit, an Projekten in Entwicklungsländern mitzuwirken.
Wem es nicht reicht, während des Studiums ins Ausland zu gehen, aber auch nicht gleich komplett auswandern möchte, der sollte einen Job in der Reisebranche in Erwägung ziehen.

Text: Sylvia Karabiner
Gast (04.03.2013 07:57 Uhr)















